LDN vs. LDA bei ME/CFS und Long COVID


Low Dose Naltrexon (LDN) und Low Dose Aripiprazol (LDA) werden in der Praxis oft im gleichen Atemzug genannt. Das bedeutet aber nicht, dass sie auf dieselbe Weise wirken. Im Gegenteil: Beide Medikamente greifen an unterschiedlichen Stellen in die Krankheitsphysiologie ein. Wer verstehen will, warum sie überhaupt bei ME/CFS und Long COVID diskutiert werden, sollte deshalb zuerst auf ihre Wirkmechanismen schauen und nicht auf Dosierungstabellen oder Erfahrungsberichte.

Wirkmechanismus von Low Dose Aripiprazol

Aripiprazol ist pharmakologisch ein partieller Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT1A-Agonist mit zusätzlicher Wirkung an weiteren Serotoninrezeptoren. Gerade diese besondere Rezeptorwirkung macht das Medikament interessant: Es blockiert das dopaminerge System nicht einfach, sondern kann es je nach Funktionslage modulieren und stabilisieren. In der retrospektiven Stanford-Arbeit zu niedrig dosiertem Aripiprazol bei ME/CFS wird eine positive Wirkung auf Neuroinflammation und Mikroglia-Aktivierung diskutiert, welche Einfluss auf Fatigue und kognitive Symptome nehmen könnte.1

Das ist auch deshalb relevant, weil viele Beschwerden bei ME/CFS und Long COVID auf eine gestörte zentrale Reiz- und Belastungsverarbeitung hindeuten. Brain Fog, Reizüberempfindlichkeit, nicht erholsamer Schlaf, mentale Erschöpfung und das Gefühl eines dauerhaft überforderten Nervensystems lassen sich klinisch gut mit einem Modell vereinbaren, in dem neuroimmune Prozesse und zentrale Regulationsstörungen zusammenkommen. Aripiprazol wird in diesem Kontext wegen seines Potenzials relevant, gestörte Signalverarbeitung im zentralen Nervensystem zu modulieren. In Studien werden vor allem Verbesserungen bei Fatigue, Brain Fog, nicht erholsamem Schlaf und der Häufigkeit von PEM-Episoden beschrieben.2

Wirkmechanismus von Low Dose Naltrexon

Naltrexon setzt an einer ganz anderen Stelle an. Es ist ursprünglich ein Opioidrezeptor-Antagonist. In niedriger Dosierung wird seine Wirkung aber nicht einfach als „Blockade“ verstanden. Der klinische Einsatz von LDN beruht vielmehr auf der Annahme, dass die kurzzeitige Rezeptorblockade nachgeschaltet regulatorische endorphinfreisetzende Gegenreaktionen auslöst und dadurch entzündliche und immunologische Signalwege beeinflusst. In der aktuellen Literatur zu Long COVID wird LDN deshalb als ein Medikament diskutiert, das auf Fatigue, Schmerz, Schlafstörung, Konzentrationsprobleme und allgemeine Symptomlast wirken kann.3

Die LDN-Rationale stützt sich dabei nicht nur auf subjektive Symptomberichte. Ein randomisiertes Studienprotokoll aus British Columbia untersucht, ob LDN bei post-COVID-Fatigue Beschwerden senkt. Während des Studienzeitraums besserten sich bei den Studienteilnehmern mehrere Beschwerdebereiche, darunter Fatigue, Schmerz, Konzentration, Schlafstörung und das allgemeine Wohlbefinden. Bisherige Studien sind klein und nicht placebokontrolliert, aber sie zeigen gut, dass LDN einen Nutzen bei ME/CFS und Post COVID haben kann.4 

Damit stehen am Anfang zwei unterschiedliche pharmakologische Grundideen.  Beide Konzepte überschneiden sich an vielen Stellen, weil Neuroinflammation, autonome Dysregulation, Fatigue, kognitive Symptome und Reizüberlastung biologisch eng miteinander verknüpft sind.

LDN oder LDA? Was ist jetzt besser?

Welche der beiden Substanzen im Einzelfall besser wirkt, lässt sich vorab oft nicht sicher vorhersagen. Ganz beliebig ist die Auswahl aber trotzdem nicht. In der Praxis gibt es einige Überlegungen, die helfen können, die Entscheidung strukturierter anzugehen.

Sinnvoll ist es, sich dabei an 4 Fragen zu orientieren:

1) Welche Symptomcluster stehen im Vordergrund?
2) Welches Nebenwirkungsprofil passt besser zur individuellen Situation?
3) Gibt es Kontraindikationen oder klare Warnhinweise?

4) Möchte man schnellen Wirkeintritt und bin bereit längeres Ausschleichen zu riskieren?

1) Auswahl des Medikaments nach Symptomclustern

Studiert man die derzeitigen Therapieleitfäden aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum so fallen leichte Unterschiede bei den zu behandelnden Zielsymptomen auf.

Der deutschsprachige Praxisleitfaden ordnet Schmerzen explizit dem Low Dose Naltrexon zu.5 Das LDN-Fact-Sheet des Complex Chronic Diseases Program ordnet LDN stärker den Symptomen Schmerz zu und hebt neuroinflammatorische Symptomatik mit weniger häufigen und weniger starken Crashs hervor.6 Auch im Bateman Horne Guide wird LDN ebenfalls insbesondere bei Neuroinflammation/Mikroglia-Aktivierung genannt und als Mittel, das die zentrale Schmerzverarbeitung verbessert. Im selben Leitfaden wird außerdem beschrieben, dass LDN eine stabilisierende Wirkung auf die Mastzellen haben kann, was auch bereits von anderen Studien postuliert wurde.7,8 Daraus könnte man die Schlussfolgerung ableiten, dass LDN eher zu bevorzugen wäre, wenn die Beschwerden Schmerzen und/oder MCAS-verdächtige Symptomatik umfassen.

Für LDA sprechen Studien insbesondere von Verbesserungen in den Domänen Fatigue, Reizüberlastung und nicht erholsamer Schlaf. In einer Stanford-Auswertung berichteten 75 von 101 Patienten (74 %) eine Besserung in mindestens einer dieser Kategorien.9

Wenn man es stark vereinfacht, lässt sich die klinische Logik hinter beiden Medikamenten ungefähr so darstellen. Es gibt deutliche Überschneidungen, aber auch typische Schwerpunkte: LDN zieht in der Praxis eher in Richtung Schmerz und neuroinflammatorisch wirkendes Gesamtbild mit MCAS-Beteiligung, LDA eher in Richtung kognitive Dysfunktion und zentrale Reizüberlastung. Genau in diesem Sinn ist auch das folgende Diagramm zu lesen: nicht als harte Regel, sondern als vereinfachte Orientierung.

Wichtig

Man muss an dieser Stelle ehrlich sagen: Wir stehen hier auf relativ wackeligem Boden. Es ist nicht direkt bewiesen, dass LDN bei einem bestimmten Symptomprofil verlässlich besser wirkt und LDA bei einem anderen. Diese Zuordnung ist vielmehr eine klinisch stimmige Ableitung aus den bekannten Wirkmechanismen, den bisher begrenzten Studien und den existierenden Praxisempfehlungen. Sie ersetzt keine harte Evidenz, kann in der Praxis aber dennoch eine sinnvolle Orientierung bieten.

2) Auswahl des Medikaments im Kontext der Nebenwirkungen

Neben den Symptomclustern spielen auch die möglichen Nebenwirkungen eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Denn LDN und LDA unterscheiden sich nicht nur in ihrer vermuteten Wirklogik, sondern auch in ihrem typischen Nebenwirkungsprofil. Gerade bei ME/CFS und Long COVID, wo viele Betroffene sehr medikamentensensibel reagieren, ist das für die Praxis besonders relevant.

Low Dose Naltrexon

LDN wird im Vergleich mit LDA insgesamt oft als besser verträglich erlebt. Zu den sehr typischen Nebenwirkungen zählen Schlafstörungen und lebhafte Träume. Dabei handelt es sich um eine vergleichsweise wichtige Nebenwirkung, da viele ME/CFS und LC Betroffene sowieso bereits über Schlafstörungen bzw. reduzierte nächtliche Regeneration klagen. LDN kann dabei ein zusätzlicher Störfaktor sein. Weitere wichtige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel oder Magen-Darm-Beschwerden.

Dosierungstipp: Im Kontext der Nebenwirkungen ist die Dosierung bzw. die Aufdosierung ein wichtiger Faktor. Für ME/CFS und Long COVID gibt es keine offizielle zugelassene Zieldosierung, weil beide hier off label eingesetzt werden. In den etablierten Low-Dose-Praxisquellen finden sich aber recht klare Orientierungswerte: LDN wird bei medikamentensensiblen Patienten meist mit 0,5 bis 1 mg täglich zur Nacht begonnen und dann langsam alle 1 bis 3 Wochen gesteigert; die übliche Zieldosis liegt bei etwa 4,5 bis 5 mg täglich. Wenn es ab einer bestimmten Dosis zu Nebenwirkungen wie lebhaften Träumen kommt, wird in manchen Protokollen empfohlen, die Dosis zunächst für 1 Woche beizubehalten, um festzustellen, ob sich die Nebenwirkungen wieder legen. Falls die Nebenwirkung bestehen bleibt, kann man wieder auf eine niedrigere Dosis reduzieren, bei der es nicht zu den Symptomen kam und zwei Wochen später einen weiteren Aufdosierungsversuch starten. Wenn die Nebenwirkungen einen limitierenden Faktor darstellen, kann man das Medikament auch weiterhin in Dosierungen unterhalb der Zieldosis von 4,5 bis 5 mg täglich einnehmen. Es kann 3-6 Monate dauern, bis der volle Nutzen der Medikation zum Tragen kommt.

Low Dose Aripiprazol

LDA bringt im Vergleich zu LDN meist ein breiteres und potenziell heikleres Nebenwirkungsspektrum mit sich. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Benommenheit, innere Unruhe und Reizbarkeit bzw. Agitiertheit. Gerade diese Punkte sind im Kontext von ME/CFS und Long COVID relevant, weil viele Betroffene ohnehin sehr unter ihrem instabilen autonomen Nervensystem leiden. LDA kann hier im günstigen Fall stabilisieren, im ungünstigen Fall aber auch Unruhe verstärken. Hinzu kommen mögliche muskuläre bzw. extrapyramidal wirkende Nebenwirkungen wie Zittern, Muskelspasmen, Muskelsteifigkeit, Muskelschmerzen, Muskelschwäche oder ungewöhnliche Bewegungen. Außerdem muss man metabolische Veränderungen mitberücksichtigen, etwa Gewichtszunahme, erhöhten Blutzucker, Insulinresistenz oder erhöhte Cholesterinwerte.10 

Dosierungstipp: Auch bei LDA ist deshalb die langsame Aufdosierung besonders wichtig. Auch hier gibt es für ME/CFS und Long COVID keine offiziell zugelassene Zieldosierung, da der Einsatz off label erfolgt. In den etablierten Low-Dose-Praxisquellen wird bei medikamentensensiblen Patienten meist mit 0,25 bis 0,5 mg jeden zweiten Tag begonnen. Anschließend wird die Dosis langsam alle 3 bis 4 Wochen gesteigert. Der übliche obere Low-Dose-Bereich liegt bei maximal 2 mg täglich. Dieses vorsichtige Einschleichen ist sinnvoll, um frühe Unverträglichkeiten rechtzeitig zu erkennen. Leichtere Nebenwirkungen können sich unter stabil gehaltener Dosis im Verlauf wieder bessern. Treten jedoch stärkere motorische Nebenwirkungen wie ungewöhnliche Bewegungen, ausgeprägte Muskelsteifigkeit oder Spasmen auf, sollte die Medikation nicht einfach weiter aufdosiert werden.

Was bedeutet das für die Praxis?

Auch das Nebenwirkungsprofil kann bei der Auswahl helfen. Wenn Schlafstörungen ohnehin stark im Vordergrund stehen, spricht das eher dafür, bei LDN genauer hinzuschauen, da gerade lebhafte Träume und Schlafprobleme zu den typischen Nebenwirkungen zählen. Wenn dagegen innere Unruhe, Agitiertheit, muskuläre Beschwerden oder eine motorische Übererregbarkeit bereits Teil des Beschwerdebildes sind, wirkt LDA oft weniger naheliegend, weil genau diese Nebenwirkungen unter Aripiprazol mit auftreten können. Das bedeutet nicht, dass eines der beiden Medikamente damit automatisch ausscheidet. Es heißt nur, dass manche Vorerfahrungen und Grundsymptome die Entscheidung in eine bestimmte Richtung lenken können.

3) Auswahl des Medikaments anhand der Kontraindikationen

Am naheliegendsten lässt sich die Entscheidung oft über die Kontraindikationen und klaren Warnhinweise lenken. Denn während Symptomcluster und vermutete Wirkmechanismen eher eine klinische Orientierung bieten, gibt es hier deutlich konkretere Ausschluss- oder Vorsichtskriterien. Manche Konstellationen machen eines der beiden Medikamente schlicht weniger passend – unabhängig davon, wie gut es theoretisch zum Beschwerdebild passen würde.

Bei LDN ist der wichtigste Punkt eine gleichzeitige Einnahme von Opioiden. Dazu zählen beispielsweise Codein, Morphin, Hydromorphon oder Tramadol. In dieser Situation ist LDN keine sinnvolle Wahl, da Naltrexon gegen die Wirkung der Opioide arbeitet. Ebenfalls Vorsicht ist geboten bei akuter Hepatitis, Leberversagen oder einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Naltrexon.

Bei LDA liegen die Warnhinweise an anderer Stelle. Hier sollte man besonders aufmerksam sein bei Krampfanfällen in der VorgeschichteDiabetesAdipositasfamiliärer Hypercholesterinämie oder einer familiären kardialen Vorerkrankung. Eine familiäre kardiale Vorerkrankung ist kein automatisches Ausschlusskriterium, aber ein Grund, bei LDA wegen möglicher Kreislauf- und metabolischer Effekte genauer hinzuschauen. Der Hinweis auf eine familiäre Herzbelastung ist vor allem als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen.

Hinzu kommt ein praktischer, sehr relevanter Punkt: LDA passt meist nicht gut zu einer bereits laufenden Behandlung mit anderen Neuroleptika bzw. Antipsychotika. In Behandlungsleitfäden werden hier beispielhaft Haloperidol, Loxapin, Risperidon oder Olanzapin genannt. Auch eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Aripiprazol spricht natürlich gegen den Einsatz.

Was bedeutet das für die Praxis?

Wer Opioide benötigt oder eine relevante Leberproblematik mitbringt, wird eher nicht bei LDN landen. Wer bereits ein anderes Neuroleptikum einnimmt oder metabolische, neurologische oder kardiale Risikofaktoren mitbringt, wird bei LDA deutlich genauer hinschauen müssen. Genau deshalb sind Kontraindikationen oft die direkteste und offensichtlichste Möglichkeit, die Auswahl zwischen beiden Medikamenten sinnvoll einzugrenzen.

4. Geschwindigkeit des Wirkeintritts vs. Länge des Ausschleichens

LDN bringt die Besonderheit mit, dass man es zum Teil 3-6 Monate einnehmen muss, bevor es zu einer Besserung der Symptome kommt. Bei LDA bemerken Patienten oft schon früher einen positiven Effekt (oder eben die Nebenwirkungen). Aufgrund dieses zeitlichen Faktors könnte man argumentieren, dass es sinnvoller wäre mit LDA zu starten, da man hier eventuell früher einen Nutzen verzeichnet, oder bei intolerablen Nebenwirkungen eben früher auf LDN wechseln könnte.

Andererseits ist ein Vorteil, dass man LDN meist ohne Probleme von heute auf morgen absetzen kann. Es hat eine kurze Halbwertszeit und muss nicht vorsichtig ausgeschlichen werden. LDA kann nicht ruckartig abgesetzt werden, da es im Gehirn Dopaminrezeptoren beeinflusst. Auf einen Wegfall des Medikaments reagiert der Körper mit einer Verschlechterung. Ähnlich wie bei Antidepressiva muss man langsam ausschleichen.

Eine Besonderheit von LDA: Reinfektion

Ein zusätzlicher Punkt, der vor allem bei LDA relevant sein kann, ist der Umgang mit akuten SARS-CoV-2-Reinfektionen. In der klinischen Beobachtung wird immer wieder beschrieben, dass niedrig dosiertes Aripiprazol nach einer erneuten Infektion seine ursprünglich hilfreiche Wirkung verlieren kann. Als mögliche Erklärung diskutiert Dr. Schultheiß auf ihrem Blog eine akute Hyperinflammation mit veränderter Dopaminrezeptor-Biologie und vor allem einen entzündungsbedingt verlangsamten Abbau über CYP3A4 und CYP2D6. Dadurch könnten die Aripiprazolspiegel trotz unveränderter Dosis stetig ansteigen und sich die Wirkung des Medikements verändern.11 

Das ist deshalb praktisch relevant, weil man LDA während einer Infektion nicht einfach wie ein völlig stabiles „Dauermedikament“ behandeln sollte. Auf dem Blog von Frau Dr. Schultheiß wird beschrieben, dass je nach Verlauf ein vorsichtiges Pausieren, eine temporäre Dosisreduktion oder in Einzelfällen auch andere Anpassungen sinnvoll sein können. Gleichzeitig wird betont, dass solche Entscheidungen idealerweise nicht blind, sondern möglichst anhand des klinischen Verlaufs und – wenn verfügbar – ergänzt durch Laborparameter oder Blutspiegelmessungen getroffen werden sollten. Gerade weil LDA unter entzündlichen Bedingungen offenbar in seiner Wirkung instabiler werden kann, ist der Umgang damit während einer akuten Reinfektion deutlich weniger trivial als bei vielen anderen Off-Label-Therapien. 

Für die Auswahl zwischen LDN und LDA kann das bedeuten: Wer zu häufigen Virusinfekten neigt oder bereits erlebt hat, dass sich LDA im Rahmen einer Reinfektion schlecht steuerbar verhält, wird diesen Punkt eher zugunsten von LDN mitbedenken. Das ist keine harte Regel, aber eine praktische Überlegung. Denn wenn ein Medikament in stabilen Phasen gut wirkt, unter Infektbedingungen aber an Wirkung verliert oder sogar problematisch wird, kann das für den Alltag ein relevanter Nachteil sein. 

Übrigens: Man kann sich für eines der beiden Medikamente entscheiden oder beide miteinander kombinieren. Sinnvoll ist es in der Regel, zunächst mit einem der beiden zu beginnen, dieses langsam aufzudosieren und Wirkung wie Verträglichkeit zunächst für sich zu beurteilen. Erst danach sollte entschieden werden, ob das zweite Medikament überhaupt noch nötig ist und wie es am besten eingeschlichen wird. Der Praxisleitfaden nennt ausdrücklich, dass LDN und LDA im Niedrigdosisbereich kombinierbar sein können.12

Fazit

Die Auswahl zwischen LDN und LDA lässt sich nicht mit Sicherheit vorhersagen. Trotzdem ist sie keineswegs beliebig. In der Praxis hilft es, vier Ebenen systematisch zu prüfen: Erstens, welche Symptomcluster im Vordergrund stehen. Zweitens, welches Nebenwirkungsprofil besser zur individuellen Situation passt. Drittens, ob Kontraindikationen oder klare Warnhinweise gegen eines der beiden Medikamente sprechen. Viertens, möchte man eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen frühen Wirkungseintritt. Genau aus dieser Kombination entsteht oft bereits eine recht brauchbare klinische Richtung.

  1. Crosby, L. D., Kalanidhi, S., Bonilla, A., Subramanian, A., Ballon, J. S., & Bonilla, H. (2021). Off label use of Aripiprazole shows promise as a treatment for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS): A retrospective study of 101 patients treated with a low dose of Aripiprazole. Journal of Translational Medicine, 19(1), 50. https://doi.org/10.1186/s12967-021-02721-9 ↩︎
  2. Crosby, L. D., Kalanidhi, S., Bonilla, A., Subramanian, A., Ballon, J. S., & Bonilla, H. (2021). Off label use of Aripiprazole shows promise as a treatment for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS): A retrospective study of 101 patients treated with a low dose of Aripiprazole. Journal of Translational Medicine, 19(1), 50. https://doi.org/10.1186/s12967-021-02721-9 ↩︎
  3. O’Kelly, B., Vidal, L., McHugh, T., Woo, J., Avramovic, G., & Lambert, J. S. (2022). Safety and efficacy of low dose naltrexone in a long covid cohort; an interventional pre-post studyBrain, Behavior, & Immunity – Health, 24, 100485. https://doi.org/10.1016/j.bbih.2022.100485 ↩︎
  4. Naik, H., Cooke, E., Boulter, T., Dyer, R., Bone, J. N., Tsai, M., Cristobal, J., McKay, R. J., Song, X., & Nacul, L. (2024). Low-dose naltrexone for post-COVID fatigue syndrome: A study protocol for a double-blind, randomised trial in British Columbia. BMJ Open, 14(5), e085272. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2024-085272 ↩︎
  5. Renz-Polster, H., Dräger, M., & Team der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V. (2026, January). Praxisleitfaden Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e. V. https://praxisleitfaden.mecfs.de/mecfs ↩︎
  6. Provincial Health Services Authority. (2025, January 27). Low dose naltrexone [CCDP medication fact sheet]. Complex Chronic Diseases Program. https://www.bcwomens.ca/Specialized-Services-Site/Documents/Complex%20Chronic%20Diseases%20%28CCDP%29/Naltrexone_27Jan2025.pdf ↩︎
  7. Provincial Health Services Authority. (2025, January 27). Low dose naltrexone [CCDP medication fact sheet]. Complex Chronic Diseases Program. https://www.bcwomens.ca/Specialized-Services-Site/Documents/Complex%20Chronic%20Diseases%20%28CCDP%29/Naltrexone_27Jan2025.pdf ↩︎
  8. Castells, M., Giannetti, M. P., Hamilton, M. J., Novak, P., Pozdnyakova, O., Nicoloro-SantaBarbara, J., Jennings, S. V., Francomano, C., Kim, B., Glover, S. C., Galli, S. J., Maitland, A., White, A., Abonia, J. P., & Slee, V. (2024). Mast cell activation syndrome: Current understanding and research needsJournal of Allergy and Clinical Immunology, 154(2), 255–263. https://doi.org/10.1016/j.jaci.2024.05.025 ↩︎
  9. Bonilla, H. F. (2020, November 18). The impact of aripiprazole on chronic fatigue syndrome [Data Studio workshop abstract]. Stanford Medicine. https://med.stanford.edu/content/dam/sm/dbds/documents/data-studio/abstract.20201118.pdf ↩︎
  10. Provincial Health Services Authority. (2025, January 27). Low dose aripiprazole [CCDP medication fact sheet]. Complex Chronic Diseases Program. https://www.bcwomens.ca/Specialized-Services-Site/Documents/Complex%20Chronic%20Diseases%20%28CCDP%29/Aripiprazole%20%28Abilify%29_27Jan2025.pdf ↩︎
  11. Schultheiß, K. (2025, May 9). Wieso kann LDA (low dose aripiprazol) bei Long-COVID und ME/CFS nach erneuter SARS-CoV-2-Infektion seine Wirkung verlieren? https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/wieso-kann-lda-low-dose-aripiprazol-nach-erneuter-sars-cov-2-infektion-seine-wirkung-verlieren ↩︎
  12. Renz-Polster, H., Dräger, M., & Team der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS e. V. (2026, January). Praxisleitfaden Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e. V. https://praxisleitfaden.mecfs.de/mecfs ↩︎

2 Kommentare zu “LDN vs. LDA bei ME/CFS und Long COVID”

  1. Eine sehr strukturierte, hilfreiche Darstellung, die den eigenen Entscheidungsprozess erleichtert. Danke!

    • Vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung. Es freut mich sehr, wenn die Darstellung dabei hilft, die verschiedenen Aspekte besser einzuordnen und eine informierte Entscheidung zu treffen.

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